Pressemitteilung
Das grosse Koch-Dilemma
Bremerhaven, den 25. März 2017. Der Nachwuchs schwindet, in Küchen und Restaurants fehlen immer mehr Köche – trotzdem gibt es sie noch, die kulinarischen Auszubildenden wie Fenja Wilms. Die 18-Jährige ist derzeit im ersten Lehrjahr in der Küche des ATLANTIC Hotel Sail City in Bremerhaven und gibt uns einen Einblick in ihre tägliche Arbeit.
In der Küche des ATLANTIC Hotel Sail City herrscht lauter Trubel. Wo man steht, steht man im Weg. Überall wird geschnippelt, gebraten, dekoriert und gekocht. Mitten drin, zwischen brummenden Öfen, brutzelnden Pfannen und einer Schar weißer Kochmützen steht Fenja Wilms an ihrem Arbeitsplatz. Ihre Kochmütze reckt sich etwas weniger in die Luft, als die der anderen. Die Bremerhavenerin macht seit August 2016 ihre Ausbildung zur Köchin im Hotel.
„Kochen ist schon lange mein Hobby“, sagt Wilms. „Ich hatte immer den Wunsch, Köchin zu werden.“ Nach dem Abitur habe sie zwar ein wenig überlegen müssen, aber am Ende war klar: Sie macht erstmal die Ausbildung. „Ich möchte danach Ökotrophologie studieren, aber mit einer Ausbildung habe ich erstmal was in der Hand“, betont die 18-Jährige. Den Schritt bereue sie nach einem halben Jahr keinesfalls.
Der Arbeitstag der Nachwuchs-Köchin beginnt gegen 10 Uhr. Zunächst weicht die Alltagskleidung der Kochmütze, der Kochjacke und Stahlkappenschuhen. Ist der weiße Dress angelegt, fällt der erste Blick immer auf einen Zettel neben der Tür – dem Plan für den gesamten Tag. „Darauf sehen wir, welche Gerichte vorbereitet werden müssen, welche Zutaten wir aus dem Lager holen sollen und ob an dem Tag Veranstaltungen stattfinden“, erklärt Wilms.
Abhängig von der Liste ist auch der nächste Schritt: Das Mise en Place – das Vorbereiten des Arbeitsplatzes. Fehlt es an Tomaten? Dann huscht Wilms ins Lager und besorgt welche. Fehlen Salate? Dann beginnt die 18-Jährige mit dem Zupfen, Schneiden, Vorbereiten. „Wichtig ist vorausschauend zu arbeiten und immer eins nach dem anderen zu machen“, so Wilms. Auch in den stressigsten Situationen könne sie dadurch einen kühlen Kopf bewahren.
Verbrennen kann sich Wilms zumindest an ihrem Arbeitsplatz so schnell nicht. Sie arbeitet in der Kalten Küche. Dort werden unter anderem Vorspeisen, Dekorationen, kalte Platten und Desserts vorbereitet. Wilms gefällt besonders, dass sie oft mitentscheiden darf, was bei den Gästen auf den Teller kommt. „Wenn eine Gruppe länger im Hotel weilt, kann es nicht jeden Tag Tomaten geben.“ Da ist Kreativität gefragt.
Trotz der geringen Berufserfahrung darf Wilms bereits viel Verantwortung in der Küche übernehmen. „Ich bereite nicht nur vor, ich darf auch ganze Gerichte für den Gast zubereiten.“ Wie viele davon von der Küche versorgt werden müssen, ist immer unterschiedlich. „Es gibt Tage, da ist alles ruhig, aber dann gibt es auch wieder Tage in denen kommt man aus dem Arbeiten nicht mehr heraus“, sagt Wilms. Und obwohl alles oft ganz schnell gehen muss, bleibt die Auszubildende strukturiert und ordentlich. „Zu Hause bin ich gar nicht so, das musste ich erst lernen“, gesteht die 18-Jährige. „Bloß nichts zustellen, damit genug Platz zum Arbeiten da ist.“ Und wenn es mal zu viel wird? „Dann muss man einfach um Hilfe schreien, das ist hier so üblich.“
Sogar in ihrer Freizeit lässt das Kochfieber die 18-Jährige nicht los. Oft flimmert die Show „Das perfekte Dinner“ bei ihr über den Bildschirm. In anderen Kochshows findet sie schade, dass nicht alles gezeigt wird, was zum Kochen gehört: „Das Abwaschen und Saubermachen sind wichtiger Teil der Arbeit, aber im Fernsehen sieht man das nicht.“
Wochenendarbeit, Schichtdienst und körperliche Belastung nimmt Wilms in Kauf: „Das Privatleben leidet zwar etwas, aber in welchem Beruf ist das nicht so?“ Dass der Kochberuf nicht für alle sei, bemerke sie in der Berufsschule. Von anfänglich 29 Auszubildenden seien nach einem halben Jahr nur noch 23 geblieben. „Manche kommen gar nicht in die Schule“, so Wilms. Für 2017 sind in der Region sogar noch rund 30 Ausbildungsstellen unbesetzt. Für neue Kochazubis, die vom Trubel abgeschreckt werden, hat Wilms noch einen Rat: „Das war schon ein Schock am Anfang, weil ich doch sehr unsicher war.“ Aber sie habe sich dann schnell akklimatisiert. „So in drei Wochen oder einem Monat gewöhnt man sich dran.“
Foto Restaurant: © Antje Schimanke
Foto Köchin: © Wolfhard Scheer – Nordsee-Zeitung


